Wo wir gehen

 

****Ich arbeite an einem Film über unsere Beziehung zur Landschaft, die uns umgibt. 

Was ist Landschaft eigentlich? Ich meine nicht Umwelt damit, sondern den Teil davon, den wir aktiv gestalten, den wir wahlweise für uns als schön bezeichnen oder für uns als nützlich betrachten. Landschaft nehmen wir oft nur noch als Freizeitangebot wahr. Dabei ist es meiner Meinung nach wichtig hinzuschauen, wir wir durch zahlreiche Entscheidungen, die über Jahrzehnte getroffen werden, die Landschaft vor unserer Haustür verändern. Schlussendlich ist sie ja dann das, was wir als Heimat oder Region bezeichnen. Wie entscheidet eine Gesellschaft eigentlich darüber, in welcher Landschaft sie lebt und welche sie hinterlässt?****

Seit Jahren verfolgt Baden-Württemberg ein ehrgeiziges Ziel: Der Flächenverbrauch soll langfristig auf Netto-Null sinken. Gleichzeitig entstehen neue Wohngebiete, Gewerbeparks und Straßen. Naturschützende kämpfen gegen Landwirte, Landwirte streiten mit Kommunen, Freizeitangebote konkurrieren mit Naturparks. Landschaft zeigt sich in einer Interessendefinition. Nur noch sagen, dass es hier schön ist, gibt es nicht mehr. Eine natürliche Landschaft war schon immer eine nostalgische Vorstellung. Um so mehr sollten wir uns überlegen, in was für einer Landschaft wir leben wollen.

Ich will dazu einen Autorenfilm drehen. Ich möchte zu Fuß durch das Obere Gäu, in dem ich wohne, und später durch weitere Landschaften Baden-Württembergs wandern, Menschen begegnen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Mich interessieren die Entscheidungen, die unsere Landschaft über Jahrzehnte geprägt haben und sie bis heute prägen. Wer findet was lebenswert, wer will wovon profitieren? Können wir Schönheit definieren und dadurch Landschaft als verbindendes Gefühl bewahren?

Aus dieser filmischen Suche entwickelt sich der zweite Teil des Films: eine konzentrierte Auseinandersetzung mit ausgewählten Protagonistinnen und Protagonisten aus Naturschutz, Landwirtschaft, Wissenschaft, Planung und Politik.

Wo wir gehen versteht  Landschaft als das sichtbar gewordene Ergebnis gesellschaftlicher Entscheidungen. Menschen und Tiere, Vergangenheit und Gegenwart, Nutzung und Bewahrung treffen hier aufeinander. Hecken, Straßen, Streuobstwiesen oder Neubaugebiete erzählen davon, wie wir leben wollen, welche Werte wir teilen und welche Zukunft wir uns vorstellen.

So entsteht kein klassischer Naturschutzfilm, sondern ein essayistischer Dokumentarfilm über unser Verhältnis zur Landschaft – und damit letztlich über unser Verhältnis zu uns selbst.
Sind wir uns überhaupt bewusst, wie wir in dieser Landschaft leben, die wir am Ende dann doch Heimat nennen?

In diesem Filmprojekt versuche ich herauszufinden, was eine gute Landschaft eigentlich ist.